WaldINVEST Pressespiegel
"Brennstoff für das Portfolio" - UDO RETTBERG | FRANKFURT | Handelsblatt
Der Rohstoff Holz ist gefragt wie lange nicht mehr -
Anleger investieren in Wälder
"Norwegian wood." - Bereits im Jahr 1965 wussten die legendären Beatles eine Hymne auf das Holz zu singen. Jetzt stimmen auch immer mehr Kapitalanleger in dieses Loblied ein. Wald ist als eigene Anlageklasse zuletzt zu einem bedeutenden Thema geworden.
Investments in diese Anlageklasse werden nicht nur unter dem Aspekt der Verkaufserlöse des weltweit stark gefragten Rohstoffs Holz gesehen. Holz wird seit jeher zur Herstellung von Zellstoff und in den weiteren Stufen der Wertschöpfungskette als Papier verwendet. Es findet aber darüber hinaus auch als Baumaterial und als Energieträger Verwendung.
Im Rahmen der Peak-Oil-Theorie - Wissenschaftler vertreten dabei die Auffassung des absehbaren Endes des Ölzeitalters - dient der Rohstoff Holz auch zunehmend als Primärenergieträger. Im Einklang mit dem steigenden Rohölpreis hat sich die Nachfrage nach dem Brennstoff Holz deutlich belebt. Die Preise für so genannte Holzpellets sind daher in den vergangenen Monaten stark gestiegen.
Die Forstwirtschaft sieht sich mit einem ähnlichen Problem konfrontiert wie die Agrarwirtschaft: Das Angebot an forstwirtschaftlichen und agrarischen Rohstoffen lässt sich nicht beliebig ausweiten, da die zur Verfügung stehenden Anbauflächen sowohl im Agrar- wie auch im Forstbereich begrenzt sind. In einem unterscheiden sich diese beiden Branchen jedoch ganz maßgeblich. Während die Aussaat agrarischer Rohstoffe bereits nach relativ kurzer Zeit Erträge bringt, vergehen von der Anpflanzung neuer Bäume auf Waldflächen bis zu ihrer "Ernte" - der Verwendung von Holz aus diesen Bäumen - nicht selten mehr als zwanzig Jahre.
"Das biologische Wachstum unterscheidet ein Waldinvestment ganz grundlegend von anderen Sachwertanlagen", kommentiert Dieter Rentsch, geschäftsführender Gesellschafter von Aquila Capital in Hamburg. Dabei trage das Wachstum der Bäume auf zwei Wegen zur Wertentwicklung des Investments bei: Zum einen nehme das Volumen des Baumes über viele Jahre hinweg exponentiell zu, zum anderen wachse während dieses Zeitraums dann auch der Wert des Holzes. Grund: Längere und dickere Baumstämme sind vielfältiger nutzbar.
Doch dies ist nur die eine interessante Seite von Investments in die Anlageklasse Wald. Neben der Vermarktung des Rohstoffs Holz kommt im Zuge der Klimawandel- Diskussion eine andere - mindestens ebenso spannende - Ertragsvariante zum Tragen. Sie betrifft das aus dem Kyoto-Protokoll resultierende Potenzial, das in der Aufforstung von Waldflächen liegt.
An den internationalen Finanzmärkten wird dies von den Investoren als Ertragsquelle noch weitgehend unterschätzt. Bekanntlich werden für erfolgreiche Maßnahmen von Klimaschutzprojekten im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM) - zum Beispiel für die Aufforstung von Waldflächen - von Organen der UN-Klimarahmenkonvention und des Kyoto- Protokolls so genannte Certified Emission Reductions (CER) ausgegeben.
Neu gepflanzte Bäume nehmen während ihrer langjährigen Wachstumsphase deutlich mehr CO2 (Kohlendioxid) auf, als sie abgeben. Für den durch die Aufforstung erreichten positiven Nettoeffekt in der Klimabilanz können Forstunternehmen von den genannten supranationalen Stellen daher CERGutschriften erhalten. Diese Emissionszertifikate können an jene verkauft werden, die in ihrer Emissionsbilanz Verpflichtungen aufweisen. Der Wert der Zertifikate wird über den Markt bestimmt.
Schon recht bald werden die Akteure am Forstmarkt jedoch auch die Möglichkeit erhalten, diese Transaktionen über eine organisierte Börse abzuwickeln. Die European Climate Exchange (ECX) hat angekündigt, dass sie als erste Klimabörse der Welt ab September dieses Jahres Futures und Optionen auf CER in ihre Angebotspalette aufnehmen will.
Da von der Anpflanzung von Bäumen bis zu ihrer Verarbeitung zum allseits begehrten Rohstoff Holz in der Regel rund zwanzig Jahre vergehen, gelten Direktinvestments in Wald als nicht unproblematisch. Wegen der fehlenden Fungibilität (Handelbarkeit) und der bestehenden Illiquidität der Investments wenden sich daher vor allem institutionelle Investoren dieser alternativen Anlageklasse zu. "Großanleger mit Milliardensummen im Rücken kaufen schlicht und ergreifend ganze Waldbestände auf ", sagt Petra Becher, Derivate- Expertin der UBS.
Hier findet diese Anlegergruppe jene Vorteile, die auch andere Alternativ- Investments wie Hedge- Fonds, Immobilien und Rohstoffe zu bieten haben - nämlich eine geringere Volatilität und eine im Vergleich zu Aktien und Anleihen unabhängige Preisentwicklung.
Für den in Hongkong ansässigen Investment-Guru Marc Faber sind die Vermögenswerte Farm- und Forstland interessante Alternativen zu den traditionellen Investments Aktien und Anleihen. Verglichen mit den aufgeblähten Bewertungen anderer Assets seien diese Anlageklassen billig. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass sich gerade die großen Vermögen in dieser Anlageklasse wohl fühlen. So ist zum Beispiel bekannt, dass die Fürstenfamilie Liechtensteins der größte private Waldbesitzer in Europa ist.
Gerade in den USA ist das Interesse riesengroß. Amerikanische Großinvestoren haben ihre Forst- Investments seit Ende des Jahres 2003 um fast 30 Prozent auf fast 20 Mrd. US-Dollar aufgestockt. Eine Vorreiterrolle nahmen dabei die Stiftungsfonds führender Universitäten ein. Der Stiftungsfonds der Harvard University war einer der Pioniere. Auch die Yale Universität hat ihr Engagement in Forstland kräftig heraufgefahren.
Dieses zunehmende Interesse wird vor dem Hintergrund der positiven Wertentwicklung von Wald- Investments verständlich. Der als Benchmark für diese Anlageklasse geltende NCREIF Timberland Property Index ist seit seiner Lancierung vor rund fünfundzwanzig Jahren im Durchschnitt um rund 15 Prozent pro Jahr gestiegen. Im gleichen Zeitraum konnten Anleger mit Aktien (in US-Dollar gerechnet) durchschnittliche Resultate zwischen elf und fünfzehn Prozent pro Jahr erzielen.
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